Resonanz Frühjahrskonzert 2010

28. März 2010, Willy-Brandt-Halle, Mühlheim/Main

Sinfonische Blasmusik verzauberte
Doss und Koch begeistern mit LBO

Nach der glanzvollen Aufführung der „Queen Symphony“ im vergangenen Herbst waren die Erwartungen an das neue Projekt des Sinfonischen Landesblasorchesters des HTV (LBO) sehr hoch. Das hessische Auswahlorchester hatte den Komponisten und Dirigenten Thomas Doss zur gemeinsamen Probearbeit eingeladen. Beim abschließenden Konzert in Mühlheim/Main am letzten März-Sonntag präsentierte der Österreicher als Gastdirigent, im Wechsel mit Chefdirigent Dominik M. Koch, seine eigenen Kompositionen.
„Magische Momente“ und „das Leben“ bestimmten das Programm. In der „Magic Overture“ bezauberten witzige Einwürfe aus dem Schlagzeugregister, spritzige Läufe in den Holzregistern und fröhliche Motive der Blechbläser das Publikum. Die „Ouverture Allemande“ glich einem Zylinder, aus dem die Bläser in sämtlichen Registern perlende Motive aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ hervorzauberten. Und „Sidus“ ließ das Publikum auf eine Reise zu den Sternen gehen. Musikalisch ausdrucksstark dargeboten, entstanden Bilder von Planeten, Galaxien und einem Sternschnuppenregen vor dem inneren Auge.
Dass das Leben jedoch auch andere Seiten hat, zeigte sich in „The Colors of Tali“. Inspiriert von einem Gedicht eines 13-jährigen israelischen Mädchens, gesprochen von Simone Garnier, hat Doss musikalisch eine Welt beschrieben, wie sie ein Kind unter den Zeichen des Krieges wahrnimmt. Die Zuhörer zeigten sich emotional zutiefst berührt von der dargebrachten Musik. „Mir lief es dabei eiskalt den Rücken runter“, würdigte eine Zuhörerin die Leistung des LBO.
Szenen aus dem Leben im Orient bot die Komposition „Orientales“. Dem LBO gelang es wunderbar, das Flair dieser Region vom trubelhaften Treiben auf dem Basar, den erotisierenden Tänzen bis zum teils traurigen Flötenspiel eines einsamen Hirten nach Mühlheim zu transportieren. Mit „Cantus“, einem Werk, das mit Meeresrauschen und Möwengesang angereichert auf fast magische Weise zum Meditieren einlädt, und der auf Chorgesang beruhenden Bruckner-Transkription „Ecce Sacerdos“ bewies das Orchester, dass es nicht nur in technisch anspruchsvollen Passagen, sondern auch in getragenen, lyrischen Melodien glänzen kann – die Erwartungen wurden also voll und ganz erfüllt.
Dies zeigte auch der große Applaus, mit dem das Orchester für sein musikalisch und emotional mitreißendes Konzert belohnt wurde. Gastdirigent Thomas Doss zeigte sich begeistert von der geleisteten Probenarbeit, hätten doch viele berufstätige Musikerinnen und Musiker, teils mit Kindern, sich an zwei Wochenenden getroffen, um schwere Literatur zu erarbeiten. „Von diesem Konzert sollte eine Signalwirkung für die sinfonische Blasmusik in Hessen ausgehen“, so Doss nach dem letzten Stück des Programms.
Mit dem Konzertmarsch „Il Briccone“ (Der Schurke) verabschiedeten sich die Hessen bis zu ihrem nächsten Konzert, das für November 2010 geplant ist.

Miriam Blaum