Resonanz Werkstattkonzert 2011-10

30. Oktober 2011, Jahnturnhalle, Niederbrechen

Werkstattkonzert macht neugierig auf mehr
Landesblasorchester Hessen bereitet sich auf Jubiläumsjahr 2012 vor

Brechen-Niederbrechen. Auf seinem Weg in das Jubiläumsjahr 2012 hat das Sinfonische Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes (LBO) einmal mehr neue Wege eingeschlagen. Bei einem Werkstattkonzert in Niederbrechen präsentierten die Musikerinnen und Musiker, was sie nach nur einem Wochenende intensiven Übens erreicht hatten.
Mit einem wahren Meisterwerk der Sinfonischen Blasmusik – „Armenische Tänze“ von Alfred Reed – begrüßte das LBO sein Publikum. Das Stück ist in der Blasorchesterszene bekannt wie kein zweites und gehört zum Repertoire eines jeden Orchesters auf höherem Niveau. Die facettenreiche Musik der armenischen Volkstänze präsentierte das Orchester durch eine brachtvolles Maestoso zu Beginn, gefolgt von einem flotten Giocoso, das schließlich in einem Furioso endete. Der Kontrast hätte mit dem darauf folgenden Stück, dem„Finale“ aus Gustav Mahlers dritter Sinfonie, nicht stärker sein können: Das Werk beginnt mit einer ruhigen Choralmelodie, die sich langsam hin zu einem majestätischen Höhepunkt aufbaut. Wie für Mahlers Musik charakteristisch, stehen hier die Blechbläser, besonders die Waldhörner, im Vordergrund. Für den bekennenden Blasmusikliebhaber dürfte auch das von Jan Van der Roost komponierte „Spartacus“ nicht unbekannt gewesen sein. Hier spielte das Orchester einen Auszug, in dem der Sklavenaufstand auf musikalisch mitreißende Art und Weise umgesetzt wurde.
Für den Dirigenten Dominik M. Koch bot das Werkstattkonzert die Möglichkeit, einmal zu testen, welches Potential in seinem Orchester steckt, auch ohne die Routine und Sicherheit von zahlreichen Probephasen. Aufgeführt wurden die Stücke in einer dem Publikum und den Musikern nicht bekannten Reihenfolge, da Koch erst in seinen Ansagen das jeweils folgende Stück bekannt gab. Für das Orchester eine besondere Herausforderung, galt es doch, sich innerhalb kürzester Zeit auf ein neues Tempo, einen neuen Stil und eine neue Klangwelt einzustellen – eine Herausforderung, die das Orchester mit Bravour meisterte. Das bestätigte auch der Applaus der Zuhörer beim folgenden Werk: „Atmospheres“ von John Golland verlangte sowohl von den Zuhörern als auch den Musikerinnen und Musikern ein großes Maß an Einfühlungs- und Vorstellungsvermögen. Die meisten Zuhörer beschreiben diese Art der Musik wohl teilweise als „schräg“ oder gar „komisch klingend“, doch für die Entwicklung der Sinfonischen Blasmusikszene und für den Werdegang eines Orchesters dieser Klasse ist das Stück ein unumgänglicher musikalischer Meilenstein.
Aus dem Werk „Fantasy Variations“ von James Barnes stellte das Orchester einige Variationen aus dem ruhigen Mittelteil vor. Den Zuhörern war die Spannung darüber, was wohl davor und dahinter folgt, förmlich anzumerken. Ein „kluger“ Schachzug des musikalischen Leiters, steigerte er damit die Vorfreude des Publikums auf das Jubiläumskonzert im nächsten Jahr, bei dem natürlich das gesamte Werk zu hören sein wird. Mit viel Witz und Spielfreude verabschiedete sich das LBO mit der „Suite from Monte Carlo or Bust“ von Ron Godwin. Der Applaus der Zuschauer ließ den Wunsch nach einer Zugabe erahnen, doch die wird es erst beim Konzert zum 20-jährigen Bestehen des Orchesters im nächsten Jahr geben – schließlich sollte zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu viel verraten werden.
Für das Sinfonische Landesblasorchester des Hessischen Turnverbandes heißt es nun in den kommenden Wochen und Monaten das am ersten gemeinsamen Wochenende Erarbeitete zu vertiefen und zu intensivieren. Das Werkstattkonzert hat sowohl die Zuhörer als auch das Orchester neugierig auf mehr gemacht. Schon jetzt dürfen sich alle auf ein besonderes Highlight freuen: Am 09. Juni 2012 präsentiert das Sinfonische Landesblasorchester unter der Leitung von Dominik M. Koch im Rahmen des Landesturnfestes in Friedberg sein Jubiläumskonzert.

Mirjam Blaum